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Nimm und dir wird gegeben. Gib und dir wird genommen.
von Benjamin Seiband | 28. September 2008
Die aktuelle Krise um die größte Bankenpleite der Geschichte in den USA erreicht immer wieder einen neuen Höhepunkt. Nun soll bzw. will die US-Regierung die sogenannten faulen Kredite abkaufen um die Banken zu “retten” und eine Weltwirtschaftskrise abzuwenden.
Ich verdeutliche das ganze einmal: Die Banken haben Jahrelang nur Kredite vergeben und mit der Rückzahlung und mit dem Geld der Anleger spekuliert - höchst riskant spekuliert. Nun gibt die “reiche” US-Regierung ein Rettungspaket in Höhe von 700 Milliarden Dollar an die schlecht spekulierten Banker, die für diese Krise gesorgt haben. Im Umkehrschluss müsste ich dann normalerweise auch Geld von Regierung erhalten, wenn ich im Casino Haus und Hof verspekuliere und alles auf eine Zahl setze. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich Gewinne ist ziemlich gering. Danach bin ich dann Pleite und muss mir alles wieder schwer erarbeiten. Natürlich kann man das nicht über einen Kamm scheren, denn bei den Banken stehen natürlich auch viele Arbeitsplätze und Gelder von Kontobesitzern auf dem Spiel. Aber die Ausgaben von 700 Milliarden Dollar der US-Regierung werden wir noch in den nächsten Jahren deutlicher zu spüren bekommen, als uns lieb ist. Warum?Naja, ich erläutere das einmal: Die 700 Milliarden Dollar der US-Regierung liegen nicht irgendwo auf einer Bank oder im weißen Haus herum. Nein, dieses Geld muss erst noch “gedruckt” werden. Also wird weiteres Geld in Umlauf gebracht, aber hinter diesem Geld stecken keine Güter bzw. Waren. Also werden wir dieses zusätzliche Geld in den nächsten Jahren in Form von hohen Inflationsraten zu spüren bekommen. Warum soll das eigentlich uns Deutsche betreffen?
Deutschland ist Export-Weltmeister. In 2007 exportierte Deutschland etwa 73,6 Mrd. Euro Warenwert in die Vereinigten Staaten. Dies bedeutet: in 2007 stehen die Vereinigten Staaten auf Platz zwei der wichtigsten Handelspartner von Deutschland. (Quelle: www.wikipedia.de). Wenn nun in den USA die Inflationsraten steigen, dann wird das “Geld weniger Wert”. Wir haben somit eine sinkende Kaufkraft und Deutschland kann die Waren nicht mehr zu den Preisen in die USA exportieren, wie dies 2007 der Fall war. D.h. entweder werden die Waren zu einem schlechteren Preis exportiert oder dieser Anteil fällt weg. Wenn nun die Industrie weniger verkaufen kann, dann können wir daraus Schlussfolgern, dass auch weniger produziert wird. Wenn weniger produziert wird, dann ist die Folge, dass weniger Arbeit benötigt wird oder die Arbeit wird weniger Wert.
Ganz konkret erleben wir im Moment auf dem Aktienmarkt eine interessante Entwicklung: Bei manchen Werten haben wir Kurssprünge binnen eines Tages von ± 25 % !
Aber wie die tatsächlichen Auswirkungen auf unsere Wirtschaft sein werden, das lässt sich nur spekulieren. Hoffentlich verspekulieren wir uns hier nicht…
Topics: Außenpolitik, Wirtschaft |
Eine Reaktion zu “Nimm und dir wird gegeben. Gib und dir wird genommen.”
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Am 1. Oktober 2008 um 17:04 Uhr
Ich persönlich finde es ziemlich schwierig die Bankenkrise auf wenige Sätze zu beschränken, ein solch Komplexes Thema braucht mehr als 2 Seiten um wirklich verstanden zu werden. Fakt ist, momentan steuern wir auf eine Rezession zu und umzukehren wird wohl sehr schwierig für uns werden.
Ein einziges Patentrezept mit dem wir den Abschwung verhindern könnten gibt es nicht, die Banken haben sich verspekuliert am Finanzmarkt und ziehen die ganze Weltwirtschaft mit sich herunter. Problematisch wird es nun, weil bei vielen Banken Amerikas fast keine Bonität bzw. Liquidität mehr vorgewiesen werden kann. Dies bringt Effekte mit sich, wie beispielsweise die fehlende Bereitschaft sichere Kredite, die für einen Wirtschaftsaufschwung wichtig sind, zu vergeben, aus Angst sich erneut zu verspekulieren und als Bank als Schlussfolgerung dann Insolvenz anmelden zu müssen.
Das für einen wirtschaftlichen Aufschwung erst einmal die Liquidität der Banken zu einem gewissen Grad wiederhergestellt sein muss, damit die Wirtschaft vertrauen in die Banken hat und die Banken wieder wagen zu investieren und anzulegen, steht für mich persönlich ein Stück weit fest. Wie das zu erreichen ist, da kann ich selbst auch nur spekulieren.
Ob der Staat Geld in die Banken pumpen muss, unter welchen Bedingungen auch immer. Persönliche Konsequenzen für Führungskräfte können eine solche mögliche Bedingung sein. Ob der Staat Hedge-Fonds-Holder spielen und sich in die Banken einkaufen soll, der Staat dann diese sanieren bzw. Grundbedingungen für das Sanieren aufstellen soll und dann nachher die Aktien gewinnbringend wieder weiterverkaufen kann um so das eingesetzte Steuervolumen ein Stück weit weg zu machen.
Ob die Zentralbanken Darlehns mit Laufzeiten von einem Handelstag bzw. einer Handelswoche ausschreiben oder ob die Währungsreform uns doch ins Haus steht. Aber auch, dass der amerikanische Staat noch weiter Schulden macht ist eine denkbare Möglichkeit. Neue Dollarnoten werden, so denke ich, aber nicht in Massen gedruckt, denn selbst der gemeine Amerikaner weiß, dass Gelddrucken eine Wirtschaftskrise allen Falls verschiebt, aber keines Falls löst.