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Die SPD sucht den Superkanzlerkandidaten

von Lisa Lenz | 7. September 2008

Das Casting ist beendet, diesmal aber war es nicht Dieter Bohlen, der den Superstar suchte, nein, die SPD suchte ihren Kanzlerkandidaten. Ganz so wie erwartet verlief die Suche allerdings nicht. Man hatte sich schon vor der Finalrunde auf einen Spitzenkadidaten geeinigt. Auch oder gerade weil es dem Oberjuror Kopfzerbrechen bereiten sollte. Kurt Beck wollte den Zeitpunkt, an dem die Entscheidung dann verkündet wird, selbst aussuchen, doch jetzt kam alles anders.

Die SPD hatte den Rheinland-Pfälzer dazu gedrängt, Frank-Walter Steinmeier schon jetzt als das Gesicht des nächsten Wahlkampfes zu präsentieren. Macht muss der SPD-Vorsitzende dadurch sicherlich einbüßen, schon allein weil sich in den nächsten Monaten nicht mehr alles nur um ihn, sondern viel mehr um den heutigen Außenminister drehen wird. Der SPD wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit ein paar kleine Prozentpünktchen wieder einbringen, nach dem Beck das Parteischiff auf Kurs in Richtung Eisberg gebracht hatte und die Umfragewerte nur noch im Keller zu finden waren. Mit der Nominierung Steinmeier haben sich die Genossen für den charismatischeren und beliebteren der beiden Bewerber entschieden. Die Kandidaturentscheidung könnte aber noch mehr Auswirkungen auf die deutsche Sozialdemokratie haben wie Machtkämpfe von Politiker Alphatieren. Man deutet die Nominierung Steinmeiers als eine Positionierung der SPD wieder in Richtung Mitte, nach dem sie sich in letzter Zeit immer häufiger an den linken Rand des politischen Spektrums drängeln lassen hat. Kurt Beck hat mit seiner Tolerierung der Tolerierung der Linkspartei in der Hessen SPD an Glaubwürdigkeit verloren. Seine Positionen orientieren sich in letzter Zeit an den Vorschlägen der Linken. Nicht um sonst geht das Gerücht um, dass der eigentliche Parteivorsitzende schon längst Oskar Lafontaine ist. Mit der Entscheidung zu Gunsten des Außenministers wird der nächste Wahlkampf wahrscheinlich etwas gemäßigter und auf jeden Fall für die Sozialdemokratie erfolgreicher.

Unterdes positioniert sich auch die Union. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in den vergangenen Tagen klar für ein Bündnis mit den Liberalen ausgesprochen. Mit der FDP seinen die Ziele der CDU/CSU besser durchzusetzen als mit dem bisherigen Koalitionspartner, dennoch sei die Große Koalition nicht komplett gescheitert. Union und SPD sind nun kampfbereit für die nächste Wahlkampfschlacht, die dieses Jahr ungewöhnlich früh schon ein gutes Jahr vor der nächsten Bundestagswahl anfängt. Es wird ein spannendes Superwahljahr werden.

Topics: Bundespolitik |

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