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Verbote verbieten
von Lisa Lenz | 10. August 2008
Immer mehr Verbote überschwemmen Deutschland. Rauchverbot, Parkverbot, Tempolimit!
Wohin soll das alles führen.
Wie viel darf ich noch entscheiden und was bleibt übrig von meiner Mündigkeit! Die Politik is kreativ und dringt durch Gebote und Verbote immer mehr in unser Leben ein. Wann ist endlich Schluss damit? Oder hat das ganze vielleicht sogar doch einen Sinn?
Thomas S. (Name geändert) möchte nicht erkannt werden. Er ist seit Jahren starker Raucher und fühlt sich immer stärker ausgegrenzt aus der Gesellschaft. Überall werden Schilder aufgestellt, die ihm das Rauchen in Kneipen und an anderen Plätzen verbieten. Zwischenzeitlich darf er nicht einmal mehr in seinem eigenen Auto rauchen. Thomas S. ist Mitte 30 betreibt regelmäßig Sport, trinkt wenig und frönt auch sonst keinem Laster nach. Immer wieder wird er seit einigen Jahren aus der Gesellschaft ausgeschlossen, von seinen Nachbarn kriegt er Drohbriefe; „Wegen solchen Raucherschweinen wie dir, zahlen wir höhere Krankenkassenbeiträge!” Die Zigaretten bekommt er mittlerweile nur noch auf Rezept. Er sehnt sich zurück nach der Zeit, als es noch zum guten Umgang gehört hat, abends bei einem Glas Wein sich noch eine Zigarette anzuzünden, ohne gleich mit der Polizei und dem Ordnungsamt rechnen zu müssen. Doch Thomas S. ist nur einer von vielen. Er ist nicht mal der am stärksten Betroffene. Werner P. zum Beispiel leidet zusätzlich an einer erblichbedingten Schilddrüsenunterfunktion und hat in Folge dessen massiv an Gewicht zugelegt. Um sein Gewicht zu reduzieren hat er in seiner Jugend mit dem Rauchen angefangen, die Pfunde sind nicht gepurzelt. Seine Lebenssituation hat sich dafür in den letzten Jahren rapide verschlechtert. Während er früher noch ganz gemütlich in einem Eck in seiner Stammkneipe sitzen konnte, muss er jetzt raus auf dem Hinterhof. Er darf nicht einmal mit seinen schlanken Raucherfreunden an einem Tisch sitzen, denn die Bundesregierung hat beschlossen ein extra Abteil für adipöse Restaurantbesucher zu schaffen, da es sich erwiesen hat, dass beleibtere Menschen andere dazu verführen, selbst mehr zu essen.
„Es gibt Wege wieder zu den anderen ins Gasthaus sitzen zu dürfen. Jeder habe schließlich selbst zu verantworten, wie viel er wiegt”, sagte ein Sprecher der Bundesregierung. „Weil aber der Bürger dies offensichtlich nicht mehr kann, man sieht es ja an den Zahlen - 50% der Deutschen sind übergewichtig -, wird es in Zukunft für den Deutschen einen Ernährungsplan geben. Die nicht Einhaltung der Diät kann mit Verwarn- und Bußgeldern bestraft werden.”
Zu gegeben ganz der Realität entspricht diese Vision nicht. Aber sie ist auch nicht komplett aus der Luft gegriffen. In Deutschland gibt es eine Verbotsmentalität. Es fehlt nicht viel und die Bundesregierung schreibt uns auch noch vor, was wir essen dürfen und was nicht. An heißen Tagen ist man dann lockern einmal eine Kugel weniger von dem heiß bzw. besser kalt geliebten Vanilleeis. Und auch die Pralinenschachtel die sich heimlich unter ihrem Bett befindet ist dann Vergangenheit. Und tatsächlich erhöht es die Chancen selbst dick zu werden, wenn man in seinem Bekanntenkreis einen etwas beleibteren Menschen hat drastisch. Die Gefahr von Fettleibigkeit wird stark unterschätzt, so sind die auf Grund von übergewichtsbedingten Krankheiten verursachten Kosten weit aus höher als die durch das Rauchen bedingte Kosten. Also, es gibt genug Gründe um das fettige und süße Essen zu verbieten, wieso tun wir es dann nicht einfach. Dies dachten sich auch einige Politiker und forderten unlängst die Verbannung der Überraschungseier aus den Supermarktregalen. Schließlich verankert vor allem das Spielzeug in den Ü-Eiern, dass in aller Regel mit Spaß in Verbindung gebracht wird, dass Süßigkeiten Spaß machen, in den Belohnungszentren der kleinen Konsumenten. Daraus können Süchte entstehen, so wie die Schokoeiersucht, die zu Übergewicht und damit zu Diabetes, Herzversagen und Krebserkrankungen führen kann. Auf der anderen Seite aber macht es doch manchmal einfach nur Spaß, die Drachen, Simpsons und Rennautos durch Schütteln ausfindig zu machen und zu sammeln, auch wenn man schon längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen ist. Und alle Freuden darf man einem doch auch nicht verbieten. Der einmalige Konsum von Schokolade macht uns nicht gleich zum Schokoholiker, genauso wenig, wie unsere Kinder den weiß-braunen Überzug der gelben Eier nur aus dem Grund essen, weil sie das Spielzeug haben wollen. Kinder merken früh genug, dass süßes einfach gut schmeckt und Schokolade im Körper Endorphine freisetzt, auch wenn sie den Namen des Glückhormons nicht annähernd aussprechen können.
Aber auch Raucher werden immer mehr diskriminiert. Dass Teer, Nikotin und weiter andere Chemikalien in den Klimmstängeln für den Raucher selbst und für seine Umwelt auf Dauer Gefährlich sein können, ist ein Wissenschaftlicher Fakt. Umso mehr ist es also wichtig, dass wir unserer Kinder schon früh genug aufklären. Wer schon einmal die Bilder von einer Raucherlunge oder einem amputieren Bein gesehen hat, der wünscht sich das meist wahrlich nicht für sich selbst, nicht einmal dem schlimmsten Feind möchte man so was an den Hals wünschen. Das Rauchen auch impotent machen kann, auch das wissen wir spätestens seit es auf den Zigarettenpäckchen steht, zusammen mit ganz anderen Sprüchen: „Rauchen kann tödlich sein.” „Rauchen schädigt die Spermazonen.” „Ihr Arzt kann Ihnen helfen mit dem Rauchen auf zu hören.”
Wer jetzt noch behauptet, Rauchen sei 100%-ungefährlich lügt entweder oder hat die letzten 20 Jahre im tropischen Regenwald bei den Affen verbracht.
Da auch Passivrauchen durchaus gefährlich, wenn nicht sogar gefährlicher als Rauchen ist, ist eine Tatsache. Deshalb ist der Nichtraucherschutz auch so wichtig.
Arbeitgeber sollten deshalb entscheiden dürfen, ob sie rauchfrei sein wollen oder nicht. Viele von ihnen haben sich dazu entschieden, die Raucher in Raucherzimmer oder ganz nach draußen zu verbannen, was eine durchaus mutige und bestimmt auch gesunde Entscheidung ist. Auch der Bund und die Länder haben entschieden, dass ihre Ämter und Einrichtungen als rauchfrei zu deklarieren sind. Eine Entscheidung die man durchaus begrüßen kann. Doch mit den aktuellen Gesetzten, dass nun mehr in Gaststätten auch nicht mehr geraucht, oder nur unter äußerst strikten Auflagen, geht die Landesregierung einen Schritt zu weit. In einer Demokratie sollte der Besitzer einer Kneipe doch wohl selbst entscheiden dürfen, ob er eine Raucherkneipe betreiben will oder eben nicht. Auch wenn es natürlich um den Schutz der Kellner und Bedienungen geht. Aber immer mehr Wirte würden auch freiwillig beschließen rauchfrei zu werden, denn immer mehr Nichtraucher genießen die sauber Luft und pilgern ohne hin nicht in Raucherkneipen, in denen man die Luft förmlich schneiden kann. Gegen eine Kennzeichnungspflicht hätte ich persönlich ja nichts ein zu wenden, aber ein Verbot geht zu weit.
Denn wer das Rauchen verbietet, verbietet auch ein Stück Demokratie. Denn Demokratie bedeutet auch Entscheidungs- und Wahlfreiheit. Dies bedeutet auch, dass jeder Bürger in einem Gewissen Maße etwas unvernünftiges tun darf, etwas, was ihm vielleicht sogar in einem gewissen Maße schädigt. Denn wenn ich nur das tun darf, was dem Staat und mir selbst gut tut, dann fehlt mir ein sehr großes Stück Freiheit. Wenn immer vorgeschrieben wird, was einem gut tut und wie man sich zu verhalten habe, dann geht ein gewaltiges Stück Mündigkeit dadurch verloren. Mündigkeit ist die Basis jeder Demokratie. Dass dabei Kinder und Jugendliche, die sich den Gefahren zum Beispiel des Rauchens nicht bewusst sind, geschützt werden müssen, steht außer Frage. Deshalb sind Alterbeschränkungen für Alkohol und Zigaretten wichtig und sinnvoll. Häufig argumentieren Befürworter eines Raucherverbotes auch noch ganz anders. Wer raucht hat ein höheres Risiko an Krebs und anderen Krankheiten zu erkranken. Jährlich streben Menschen an den folgen des Tabaks und dem restlichen Chemiecocktail in Zigaretten. Das dies teilweise den Krankenkassen stark zu setzt, ist Fakt.
Dennoch kosten die Raucher den deutschen Staat nicht nur Geld, sie bringen ihm auch einiges an mehr Einnahmen. Der Finanzminister freut sich über die Tabaksteuer, da Raucher früher sterben freut er sich auch über die geringere Belastung der Rentenkassen, vielleicht sogar der Pflegeversicherung. In so fern, kommen laut einer Studie Raucher den Staat meist billiger als nicht Raucher. Deshalb lasst doch den Wirten und den Rauchern ihren Spaß. SChließlich sparen wir dank ihnen ein Haufen Geld.
Deshalb plädiere ich dafür, manch unsinniges Verbot einfach zu verbieten.
Wahlwerbespot der FDp zur Landtagswahl in Hessen 2008
Topics: Bundespolitik |
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