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Weichzeichner im Sonderangebot

von Lisa Lenz | 25. März 2008

Die Wiedervereinigung ist volljährig, die 68er-Generation inzwischen grauhaarig und mancher RAF-Terrorist auf freiem Fuß. Jetzt scheint es als greifen einige Medien, Politiker und frustrierte Bürger zum Weichzeichner um die Grausamkeiten kommunistischer Herrschaften besser darzustellen, als sie das tatsächlich waren.

Die Wahrheitsverzerrung hat weitreichende Folgen. Noch nie, seit ihrer Gründung 1968, hatte die DKP (Deutsche Kommunistische Partei) so viel Einfluss wie heute. Dies ist vor allem auf den Unmut vieler Bürger über die Arbeitslosigkeit und auf den fehlenden persönlichen, wirtschaftlichen Aufschwung zurück zu führen. Auch die Linkspartei profitiert von dem Frust der Bürger. Aktuelle Hochrechnungen für die Bundestagswahl sehen sie bei 14%. Der Erfolg der Parteien am linken Rand ist vor allem der Protestwählerschaft zu verdanken. Mittlerweile ist die Linkspartei auch in den Landtagen der westdeutschen Flächenländern Hessen und Niedersachsen vertreten. Nach derzeitigen Prognosen wird demnächst auch das konservative Bayern fallen.

Auf den Landeslistenplätzen der Linken befinden sich nur wenige zu weit nach links gedriftete Sozialdemokraten. Der Großteil der Kandidaten sind waschechte Vertreter des alten DDR-Regimes, so wie Christel Wegner (DKP), die aktuell Furore mit ihren Äußerungen zur Stasi und zum Mauerbau machte. Als die Medien diese Äußerungen publik machten, wollte die Linke ganz plötzlich nichts mehr von ihr wissen.

Häufig argumentieren Politiker, wie Gregor Gysi oder Lothar Bisky, dass doch nicht alles an der DDR schlecht gewesen sei. Doch das Regime war keinesfalls so sozial, wie viele denken. Wer aus dem System ausbrechen wollte, wurde zum Staatsfeind Nummer eins. Es galt Schießbefehl an den Grenzen nach Westdeutschland. Trotzdem versuchten Tausende die Grenzen zu überwinden um ein Leben in Freiheit zu führen. Wenige hatten Erfolg, etliche starben bei dem Versuch aus dem kommunistischen System auszubrechen und die übrigen wurden von diesem Zeitpunkt an von der Stasi dauerüberwacht, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr.

Der Staat verstärkte sogar noch den Druck auf die Aufmüpfigen, in dem er die soziale Folter für sich entdeckte. Zwangsadoptionen standen auf der Tagesordnung. Kinder wurden kurz nach der Geburt ihren Eltern entzogen.

Katrin Behr war eine von vielen Frauen, denen es so ergangen war. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch musste sie zurück in das verhasste Land, dort wurde sie erneut schwanger. Bei der Geburt des Kindes drohte man ihr, sollte sie die Adoptionsunterlagen nicht unterschreiben, würde man ihr ihre übrigen Kinder auch noch wegnehmen. Unter Tränen unterschrieb sie schließlich die Papiere. Erst vor kurzem fand sie ihre Mutter wieder. Den psychischen Terror von damals aber hat sie bis heute nicht verkraftet.

Fluchtpläne, politisches Aufbegehren oder angebliches asoziales Verhalten genügten, um Eltern in der DDR das Sorgerecht zu entziehen. Wie viele Fälle es gab, ist nicht geklärt. Ein paar hundert, tausende vielleicht. Die Aufarbeitung ist mühsam, denn viele Akten sind vernichtet. Auch die Betroffenen haben lange geschwiegen. Doch jetzt, fast 20 Jahre nach dem Mauerfall, wollen immer mehr reden, weiß Manfred May von der SED-Unrecht Beratungsinitiative Thüringen: “Es fällt auf, dass für viele der Betroffenen die Zeit offenbar reif ist, darüber zu sprechen. Es sind Menschen, die jetzt erst mit dem Abstand zur Verfolgung den Mut oder die Kraft finden, sich dieser Verletzung zu stellen”, so berichtete vergangene Woche das ZDF.

Wir müssen aufpassen, dass solche Geschichten nicht in Vergessenheit geraten, damit die Grausamkeiten der Vergangenheit sich nicht wiederholen, egal ob sie links oder rechts motiviert waren. Wir müssen uns nicht schuldig fühlen, für dass was wir nicht getan haben, aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht die gleichen Fehler begehen, die schon etliche vor uns begangen haben. Wir müssen beide Augen offen halten und dürfen weder auf dem linken, noch auf dem rechten Auge blind sein.

Topics: Geschichte, Gesellschaft |

2 Reaktionen zu “Weichzeichner im Sonderangebot”

  1. Erika Says:
    Am 30. März 2008 um 13:30 Uhr

    Liebe Lisa, da kann ich nur eins dazu sagen, du sprichst mir, ich denke nicht nur mir, voll aus dem Herzen.

    Danke für diesen wachrüttelten Beitrag.
    Gruß Erika

  2. Anonym Says:
    Am 13. Mai 2008 um 22:59 Uhr

    Wir sind C. W. und H. G. betroffen von Zwangsadoptionen in der DDR.
    In den 70iger und Ende der 50iger Jahren wurden wir aus unseren Familien herausgerissen, verloren unsere Eltern und unsere Geschwister.
    Wir möchten Ihnen diesen Suchpool vorstellen und somit etwas näher bringen, wir sind der Meinung, dass so eine Initiative an die Öffentlichkeit muss!
    Das Netzwerk Stasiopfer Selbsthilfe e.V. und Eva Siebenherz haben diesen ins Leben gerufen.

    Warum dieser Suchpool?

    Dieser Suchpool wurde eingerichtet um ehemalige DDR Bürger bei der Suche nach ihren vermissten Angehörigen zu unterstützen. Betroffene können hier eine kostenlose Suchanzeige einstellen und nach Angehörigen, Freunden, Haftgefährten etc. suchen.
    Er dient als Fundament und als Ausgangspunkt für die Suche der betroffenen Personen.
    Das Suchpoolteam besteht aus mehreren Personen, welche ehrenamtlich für diese Sache einstehen. Die meisten von ihnen sind selbst betroffen und haben deshalb einen besonderen Bezug zu diesem Thema.
    Sie arbeiten täglich am Suchpool, halten Kontakt mit den Suchenden, um wirklich effizient arbeiten zu können.
    Der Suchpool arbeitet mit Detekteien zusammen, welche beim Auffinden der vermissten Personen gebraucht werden. Auch diese Detekteien arbeiten ohne Honorar.
    Vorher wurden diese Detekteien vom Team angeschrieben, mit der Bitte, einen Fall kostenfrei zu übernehmen.
    Es gibt Menschen mit Herz, einige von ihnen unterstützen aktiv die Initiative von Eva Siebenherz.
    Eva Siebenherz und einer ihrer Söhne sind ebenfalls Opfer von Zwangsadoption in der ehemaligen DDR gewesen.
    Durch Recherchen zu ihrem Buch „Tränen aus Eis“ (www.traenenauseis.com) und Gesprächen mit anderen Opfern der Politik der ehemaligen DDR, kam ihr der Gedanke solch einen Suchpool ins Leben zu rufen.
    Der Suchpool besteht seit 04.01.2008 und es wurden schon 25 Personen gefunden!
    Sehen Sie selbst!

    http://www.suchpool-ddr-buerger.info

    Bitte, nehmen Sie sich diesem Thema an. Es gehört an die Öffentlichkeit!

    Mit freundlichen Grüßen

    C.W. und H.G.

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